Kulturtipp

Kulurtipp 2. Mai 2018 – Ursula Poznanski „Aqulia“

Vielleicht kennt ihr diese Bücher, die einen von der ersten Seite an in den Bann ziehen. Die einen so sehr fesseln, dass man die Welt um sich herum völlig vergisst. Bücher, die bis zur letzten Seite spannend sind. Genau so ein Buch war für mich “Aquila” von der österreichischen Autorin Ursula Poznanski. Nika macht ein Auslandssemester im italienischen Siena. Als sie eines Tages aufwacht, sind ihr Handy, ihre Schlüssel und ihr Pass verschwunden. Auch ihre Mitbewohnerin Jenny ist wie vom Erdboden verschluckt. An die letzten zwei Tage kann Nika sich nicht erinnern. Dafür steckt in ihrer Hosentasche ein Zettel mit mysteriösen Botschaften. Nika begibt sich im mittelalterlichen Siena auf die gefährliche Suche nach ihren Erinnerungen.
Ursula Poznanski ist eine österreichische Schriftstellerin. Mit ihrem Thriller “Erebos” erhielt sie 2011 den deutschen Jugendliteraturpreis. Ihr neuestes Buch “Aquila” erschien letztes Jahr und landete in der Spiegel Bestsellerliste auf Platz 1.
“Aquila” hat mich von der ersten Sekunde in seinen Bann gezogen. Hatte ich eine Szene durchschaut und eine Ahnung, wie das Buch weitergehen könnte, wurde ich trotzdem überrascht. “Aquila” war für mich Spannung pur mit einem Ende, wie ich es nie erwartet hätte. Auch Nika als Hauptperson wandelt sich in der Geschichte und war mir sehr sympathisch. Was sie durchmacht, ist echt nichts für schwache Nerven. Aber Ursula Poznanski als Autorin hat eher weniger Mitleid mit ihren Hauptpersonen, erklärte sie in einer Lesung.
“Aquila” ist für mich eins der besten Bücher aus dem letzten Jahr. Jede Sekunde spannend und immer für eine Überraschung gut. Ursula Poznanski hat ein wirklich gutes Buch abgeliefert. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung an alle Thriller-Liebhaber und solche, die es werden wollen.

Kulturtipp 28. Februar 2018 – Deniz Yücel: “Wir sind ja nicht zum Spaß hier”

“Der Deutsch Türkische Journalist Deniz Yücel ist wieder auf freiem Fuß”
367 Tage saß er in Haft, nachdem er am 14. Februar 2017 das Polizeipräsidium in Istanbul aufsuchte, um zu erfahren, warum gegen ihn ermittelt wird. Wegen des Verdachts der “Terrorpropaganda” und “Aufwiegelung der Bevölkerung” wurde er festgenommen – seit dem 16. Februar ist er nun endlich wieder frei. Dennoch soll Yücel in der Türkei der Prozess gemacht werden. Sein neues Buch “Wir sind ja nicht zum Spaß hier” versammelt alte und neue Texte des Journalisten vor und während seines Gefängnisaufenthalts.
Der Titel dazu entstand schon während der ersten Tage in Haft: “Dieser Ort hat keine Erinnerung. Alle, die ich hier kennengelernt habe – kurdische Aktivisten, Makler, festgenommene Richter und Polizisten, Gangster – alle haben mir gesagt: ‚Du musst das aufschreiben, Deniz Abi.‘ Ich habe gesagt: ‚Logisch, mach‘ ich. Ist schließlich mein Job. Wir sind ja nicht zum Spaß hier.” Doch Texte während der Haft zu schreiben war gar nicht so einfach. Später war es ihm erlaubt, Stift und Papier zu besitzen. Allerdings saß er zu der Zeit schon in Isolationshaft im Hochsicherheitsgefängnis und konnte nur ab und zu mit Leuten reden. Deshalb umfasst das Buch nicht nur Texte aus seiner Zeit als politischer Häftling in der Türkei. Es ist Querschnitt seiner Beiträge aus 13 Jahren seines journalistischen Schaffens. – ein Best of, quasi. Der eine Teil besteht aus Kolumnen und Satiren über Fußballweltmeisterschaften, Europawahlen, richtig Fischessen und anderen Begebenheiten des Deutsch ausländischen Miteinanders. Der andere Teil besteht aus Reportagen aus der Türkei ab 2015. In jedem dieser Texte geht es ihm um Differenzierung und Genauigkeit. Er kritisiert Erdogan, schaut aber genauso kritisch auf die Gülen-Bewegung, also Erdogans Widersacher. Es ist ein sehr beeindruckendes Buch, das nicht nur die erschreckende Entwicklung der Türkei in den letzten Jahren abbildet, sondern auch einen neuen Blick auf den Autor Deniz Yücel bietet. “Wir sind ja nicht zum Spaß hier” wurde von Doris Akrab herausgegeben und ist im Nautilus-Verlag erschienen – von mir auf jeden Fall eine absolute Empfehlung.

Kulturtipp vom 7. Januar 2018 – Torsten Sträter “Als ich in meinem Alter war”

Wie ersetzt man eigentlich ohne Geld eine Fleischwurst? Wie fährt man am Besten schwarz mit der Bahn und wie kommt man mit dem ganzen Quatsch eigentlich ins Fernsehen? – das alles erfahrt ihr in Torsten Sträters Buch “Als ich in meinem Alter war”. Torsten Sträter, 51 Jahre alt, ist gelernter Herrenschneider, seit einigen Jahren jedoch als Slampoet, Kabarettist und Autor unterwegs. Sein Erkennungsmerkmal: Eine schwarze Mütze. Sein mittlerweile drittes Buch “Als ich in meinem Alter war” enthält eine Menge Kurzgeschichten aus seinem Leben, oder wie es gewesen sein könnte. Häufig total überdreht, ziemlich absurd, aber sehr lustig! Am Besten lasst ihr euch die satirisch überspitzten Geschichten vorlesen, denn Geschichten wollen vorgelesen werden. Und das am Liebsten von Torsten Sträter persönlich. Mit seiner tiefenentspannten Art und seiner angenehm sonoren Stimme, lässt es sich einfach noch besser zu seinen Geschichten lauschen. Zum Beispiel bei dem Versuch, sich zusammen mit seinem Sohn eine Fleischwurst bei Dortmunds Metzgern zu erschnorren. Neben solchen Geschichten lassen sich in “Als ich in meinem Alter war” auch viele seiner “TV-Texte” finden, die er für seine Auftritte in der heute-show, Extra 3 oder Nuhr im Ersten geschrieben hat. Hier zeigt sich, dass er nicht nur rumblödeln kann, sondern auch das Zeug für politisches Kabarett hat. Der letzte Teil des Buches besteht dann allerdings wieder aus – wie Sträter es betitelt “völlig hirnverbranntem Zeug” – Texten, die so abstrus sind, dass sie auch mal abgelehnt wurden. Für einen Fan von Satire ist hier alles dabei! Die kleinen Geschichten lesen sich schnell weg und sind auch gut für Zwischendurch geeignet. Das Buch gibt es im Handel für rund 15 Euro. Viele seiner Geschichten könnt ihr aber auch auf Youtube finden.
Die Geschichte mit der Fleischwurst gibt es hier